Misserfolge machen munter!
Eigentlich hat jeder Student mal unter Misserfolg gelitten-auf die eine oder andere Art. 10% bis 15% aller Studierenden, welche die Studienberatung aufsuchen, haben dieses Problem, berichtet Diplom-Psychologin Brigitte Reysen-Kostudis von der Studienberatung der Freien Universit
?
t Berlin.
?
Nicht alle schaffen es, mit den Niederlagen zurechtzukommen.
“
Das Gespr
?
ch mit Freunden würde oft nicht ausreichen. Doch nicht nur das klassische Durchfallen vermittelt dem Studierenden, gescheitert zu sein. Wer sich über lange Zeit hin nicht so sehr um sein Studium bemüht, keine Scheine macht oder immer
?
lter wird, ohne dass er im Studium weiterkommt, auch der empfindet sich h
?
ufig als gescheitert. Egal, ob sich das Scheitern über Semester hinweg langsam aufbaut oder an einem bestimmten Ereignis festgemacht werden kann, eines bleibt gleich, das Gefühl der Scham oder verletzten Eitelkeit. In diesen Momenten k
?
nnen viele ihr eigenes Versagen nicht relativieren. Nur wer souver
?
n über das Scheitern reden kann, hat es geschafft.
Eine M
?
glichkeit, Distanz zur Niederlage zu schaffen, ist z.B., die eigenen Erfahrungen aufzuschreiben und das missratene Prüfungsgespr
?
ch aus dem Ged
?
chtnis zu protokollieren. Auch sollte der Gescheiterte sich und seine Bedürfnisse im Auge haben. Zeiten der Prüfungsvorbereitung sind auch für so genannte Versager entbehrungsreiche Zeiten. Danach haben die Prüflinge
?
das Recht auf was Sch
?
nes
“
, egal, ob sie bestanden haben oder nicht. Nach Prüfungen muss sich die bestehende Anspannung entladen. Eine m
?
gliche Methode sei, Sport zu treiben oder aber einfach nur zu heulen. Vielleicht hat man auch Lust auf ein Treffen mit einem guten Freund. Hier sollten Wut, Trauer und Scham ausgesprochen werden dürfen. Nicht allein bleiben mit diesen Gefühlen. Dieses Wunden-Lecken kann auch dabei helfen, wieder auf die Beine zu kommen und aus der Niederlage die richtigen Konsequenzen zu ziehen.
Gedanken wie
?
Der Professor war gemein.
“
helfen dabei auf keinen Fall weiter. Wer bei solch einfach gestrickten Schuldzuweisungen bleibt, wird an seiner Situation nichts
?
ndern k
?
nnen und nichts für die Zukunft lernen. Reysen-Kostudis r
?
t deshalb, die Situation, in der man versagt hat, genau zu analysieren. Hatte ich eine falsche Zeitplanung? Konnte ich wegen Bauarbeiten nicht in Ruhe zu Hause arbeiten? Hatte ich Beziehungsprobleme? Die Psychologin wei
?
, dass oft falsche Lerntechniken das Versagen im Studium verursacht haben. Daher ist es sinnvoll, Mitstudenten nach ihren Arbeitsmethoden zu befragen, um so zu erkennen, wie effektiv oder ineffektiv die eigenen Techniken sind. Ein wichtiger Ma
?
stab, ob die Arbeitstechnik stimmt, sei der Grad der eigenen Zufriedenheit oder Unzufriedenheit.
?
Wir alle wollen Erfolg und leiden unter Misserfolg
“
, resümiert die Psychologin. Konstante Unzufriedenheit ist ein guter Gradmesser dafür, dass vielleicht etwas mit der eigenen Arbeitsmethode nicht stimmt, sei es die Schreibtechnik oder das Lesen wissenschaftlicher Literatur. Sollte es tats
?
chlich an der Arbeitsweise fehlt, bekommt man Hilfe von der Studienberatung. Die Zentralen der allgemeinen Studienberatungen bieten h
?
ufig Workshops und Seminare zum Thema wissenschaftliches Arbeiten oder Prüfungsvorbereitung an.
Ein Hauptproblem ist, dass es an der Uni wenig Kontrollmechanismen gibt, wie erfolgreich sich das eigene Studium gestaltet. Lediglich Prüfungen sind eine Erfolgskontrolle. Deshalb, r
?
t Reysen-Kostudis, sich eigene Ziele zu setzen und am Ende eines Semesters selbst zu kontrollieren, welche dieser Vorhaben man verwirklicht hat und welche nicht. Diese Ziele sollte Studie m
?
glichst konkret beschreiben. Beispiel:
?
Ich will im Seminar y ein erfolgreiches Referat halten.
“
Um bei der n
?
chsten Prüfung nicht zu gro
?
e Angst vor Scheitern auszubilden, sollte man sich überlegen, welche Gründe dafür sprechen, dass man dieses Mal besteht. Am besten schreibt man die Argumente auf, die für ein Bestehen sprechen. Mit dieser positiven Einstellung wird man um einiges gel
?
ster in die n
?
chste Prüfung gehen.