单选题
... und ab in die Schublade
Menschen brauchen Klischees, um Informationen einfacher verarbeiten zu k?nnen.
Frauen sind empfindsamer als M
?
nner, Mathematiker weltfremd, Deutsche ordentlich, Schotten geizig, Professoren zerstreut, Blondinen dumm: So g
?
ngig diese Vorstellungen sind-und so zutreffend vielleicht auch im Einzelfall-, so wenig taugen sie zur Verallgemeinerung. Trotzdem: Solche Klischees sind nicht nur beliebt, sondern auch unverzichtbar-wenn stimmt, was Psychologen sagen.
?
Wer da glaubt, ein in sich selbst geschlossenes und nur aus sich selbst handelndes Individuum zu sein, irrt gar sehr, ist ein eitler Tropf und Hohlkopf.
“
Mit diesen Worten hat der Historiker Otto Vossler einmal deutlich machen wollen, dass Menschen stets das Ergebnis von Geschichte sind. Was wir denken und glauben, für richtig oder falsch halten, geht immer auf das zurück, was andere uns vermittelt haben. Diese anderen k
?
nnen frühere Generationen sein, die ein bestimmtes Gesellschaftsmodell entwickelten, die Eltern, die Benimmregeln predigten, oder der Sportreporter, der vom Stil einer Fu
?
ball-Nationalmannschaft auf den Nationalcharakter schloss und das Bild vom verspielten Brasilianer oder k
?
mpferischen Engl
?
nder pr
?
gte.
Etwas Wahres ist h
?
ufig daran an solchen Verallgemeinerungen. Und so gerinnt manches von dem, was wir erfahren, zum Klischee. Dass Klischees ihre Vorteile haben, liegt auf der Hand-machen sie doch das Leben, das so oder so schon kompliziert genug ist, ein ganzes Stück leichter. Findet die Blondine nicht gleich die richtigen Worte, ist die Sache klar: Ab in die Schublade mit ihr. Was aber geschieht, wenn sie dem Klischee ganz und gar nicht entspricht? Dann wird es interessant, wie Katja Ehrenberg, Psychologin an der Universit
?
t Bonn, herausgefunden hat.
Die Wissenschaftlerin hat festgestellt, dass sich Menschen unerwartete Informationen, also solche, die dem Klischee widersprechen, besonders gut merken. Das Klischee k
?
nnte demnach helfen, dass neue Informationen besser verarbeitet werden. Katja Ehrenberg gelangte zu diesem Schluss, nachdem sie 460 Versuchspersonen ausgiebig mit Klischees konfrontiert hatte.
Mit Robert, dem Skinhead, und Stefan, dem Sozialp
?
dagogen, erfand die Psychologin zwei Figuren, denen sie nicht nur bestimmte Eigenschaften, sondern dank des Computers sogar Portr
?
tfotos zuordnete. Robert ist kahl geschoren und bullig, mag keine Ausl
?
nder, trennt aber seinen Müll und hilft seinen Freunden. Stefan hat ein offenes L
?
cheln, kann gut mit Kindern umgehen, würde aber niemals sein Auto verleihen oder Bettlern Geld geben. Die Versuchspersonen bekamen die Aufgabe, sich ausführlich mit den beiden zu besch
?
ftigen. Anschlie
?
end mussten sie die verschiedenen Aussagen über Robert und Stefan der richtigen Person zuordnen. Dabei kam
ü
berraschendes zutage: Die Zuordnung gelang immer dann besonders gut, wenn die entsprechende Eigenschaft im Widerspruch zur Erwartungshaltung stand. Dass der Sozialp
?
dagoge Stefan Bettlern kein Geld gibt, blieb h
?
ufiger im Ged
?
chtnis der Versuchspersonen haften als der Umstand, dass er gut zuh
?
ren kann.
?
Alles, was nicht zu unseren Erfahrungen passt, merken wir uns, und ansonsten orientieren wir uns an den Stereotypen. Ohne diese Strategie w
?
ren wir angesichts der Informationsfülle, die t
?
glich auf uns hereinprasselt, v
?
llig überfordert
“
, meint Katja Ehrenberg. H
?
tte sie Recht, w
?
re die Informationsverarbeitung beim Menschen gar nicht so weit von dem technischen Prinzip entfernt, mit dem z.B. DVD-Filme arbeiten. Dort werden nur die Unterschiede zwischen den aufeinander folgenden Bildern registriert; alles andere bleibt gleich. Die Folge ist eine h
?
here Speicherkapazit
?
t.
Dass Klischees einen Sinn haben, ist allerdings nur die eine Seite. Wer sie allzu sehr pflegt, l
?
uft Gefahr zu verarmen. Der Weg vom Klischee zum Vorurteil ist nicht weit, und Vorurteile k
?
nnen bekanntlich den Blick auf die Wirklichkeit verstellen.